Als Berater begleite ich immer wieder KIS Projekte, die in der Krise stecken. Dafür gibt es ja immer viele Gründe. Einer, der fast immer dabei ist, ist die Unterrepräsentanz der Pflege im Projektteam.

Während die Ärzte einen Chirurgen, Notfallmediziner, Internisten, Gynäkologen, Neurochirurgen, Pädiater und so weiter stellen, sendet die Pflege nur EINEN Vertreter. So wird das nichts.

Diese Atitüde ist jedoch nur ein Symptom eines tieferen Problems, nämlich der fälschlichen Annahme, dass in der Pflege jeder alles kann – und das kann in einer Welt, in der sich das medizinische Wissen alle 3.5 Jahre verdoppelt, und alles in Medizin und klinischer Pflege sich darum immer weiter spezialisiert und subsubspezialisiert, nicht stimmen.

Das gilt nicht nur für Projekte. Es gilt auch nicht nur für OPs, Notfall- und Intensivstationen, sondern es gilt insbesondere für die stinknormale Pflegestation. Die wegbrechenden Basisservices sind es, die Krankenhäuser derzeit unführbar machen.

Der Minister hilft

Jetzt kommt in Deutschland ein zunächst einmal fachfremder Gesundheitsminister und sagt, dass es offenbar unterschiedliche Anforderungen an Pflegeleistungen im Krankenhaus gibt und zwar in qualitativer und in quantitativer Hinsicht. Und weil er nicht anders Einfluss nehmen kann, als durch Gesetze und Verordnungen, erfindet er die «Personaluntergrenzen Verordung.» Und jetzt wird es spannend: Allüberall finde ich auf einmal in Deutschland auf den derzeit beroffenen Pflegestationen Strichlisten und Excel Tabellen, die gebraucht werden,

…weil die vorhandenen klinischen Systeme keine Ahnung haben, wie viele Patienten mit welchem Pflegezeitbedarf und mit welcher Pflegekompetenz wann zu versorgen sind. 

Dass nicht jeder alles macht weiss der Minister und darum erlässt er den Nachweis über fünf verschiedene Qualifikationsgruppen erbringen und lässt sich reporten, wer wann gearbeitet hat.

Wie peinlich!

Dass Strichlisten und Excel zwar vielleicht die die Lösung einer gesetzlichen Anforderung, nicht aber die Lösung der Management Aufgabe, die richtige Anzahl Pflegender in der richtigen Qualifikationsstufe für die voraussichtlich anfallenden pflegerischen Leistungen einzusetzen, dämmert wohl jedem.Was gebraucht wird, ist eine prospektive Betrachtung der qualitativen und quantitativen Personalbesetzung nach prädiktivem Assessment der individuellen Pfegebedarfe und deren zeitlicher Planung. An solchen Projekten arbeite ich gerade mit Kliniken und den Herstellern hilfreicher IT-Tools in diesem Zusammenhang.

– Pflegeprozess-Systeme 
– Das Teammanagement-System «HLth.care Team»
– Multiressourcen Algorithmen 
– Medizincontrolling-Systeme 
– ERP-Systeme

Diese zusammenzuführen ist gar nicht so komplex, wie es zunächst scheint – insbesondere, wenn man nicht diejenigen als erste Partner wählt, deren Software nicht die aktuellen technischen Möglichkeiten unterstützt, wie beispielsweise FHIR, Web- und Cloudservices. Man muss es eigentlich nur machen.